Love the Dog

Wozu? Für wen? Für die anderen?

27. September 2019

Das ist doch die eigentliche Frage, warum wir uns beim Sport abrackern, meinen abnehmen zu müssen oder sonstiges an uns „optimieren“ wollen. Meist ist die Antwort ja „für die anderen“, wenn wir ganz tief in uns reinhören. Unfassbar viele Jahre war das wohl mein einziger Antrieb, und wie man auf dem Bild oben sieht, sicherlich nicht meine glücklichste Zeit.

Für wen wollte ich denn möglichst schlank und hübsch sein? Und mich bis zum umfallen selbst perfektionieren? Aus heutiger Sicht weiss ich dass es natürlich nicht für mich selbst war, sondern für die „anderen“. Als und Kind und Jugendliche war ich immer schon etwas pummelig. Niemals werde ich eine Aussage meiner Mutter vergessen die im Karateunterricht zu einer anderen Mutter meinte „ja, Susanne war schon immer etwas kräftiger“. Dazu kam der „pfiffige“ Pilzkopf den meine Mutter mir angedeihen liess, und die dicken Brillengläser, mit -10 auf beiden Augen. Klingt toll, oder?

In der Schule war ich eigentlich bis zum Abitur das geliebte Mobbingopfer, welches sich in den Augen meiner Mitschüler durch unvorteilhafte, untrendy Klamotten, einer Oldschoolfrisur und unfassbarer Unsportlichkeit auszeichnete. Dass dann das Selbstbewusstsein nicht gerade wächst ist eigentlich klar… war mein für mich im Kopf unerreichbarer Traum, sportlich, schlank und langhaarig zu sein, wie viele der anderen Mädels in meiner Stufe.

Irgendwann einige Jahre später kam dann in meinem Kopf der Gedanke, das doch einfach mal zu machen. Wenn das die anderen können – dann ich doch auch!

Also wurden die Haare länger, über die Jahre immer blonder und ich mutierte irgendwann vom lazy Couchpotatoe mit 16 Kilo zuviel, dem man beim Laufen die Schuhe besohlen konnte zu einer toughen jungen Frau, die Ihre Selbstständigkeit aufbaute, sportlich war und auf einmal zu einem nach Außen hin guten Selbstbewusstsein gefunden hatte.

Witzig war nur, dass diejenigen, die mich besser kennenlernten oder schon lange kannten relativ schnell feststellten dass es hiermit nicht weit her war – Unsicherheit wegen meines Körpers begleiteten mich über viele Jahre und liessen mich zwar nach aussen gestylt, tough und sexy wirken, innerlich jedoch verpuffte das alles zu einem von Selbstzweifeln belegten und sehr unsicheren Mädchen welches durch jede Kritik aus der Bahn geworfen wurde.

Aber immerhin wirkte ich nach außen toll – und das hat mir für viele Jahre genügt.

Irgendwann kam der März 2014, in dem es mich buchstäblich über Nacht von innen nach außen völlig zerlegte. Und im Laufe der folgenden Jahre die Erkenntnis dass es nicht reicht, für die anderen ein Bild darzustellen das man nicht ist.
Dass kein Nachhall ist in dem, was man darstellen möchte, wenn man nicht selbst, tief innen drin von sich selbst und dem was man tut überzeugt ist. Wie soll man denn andere lieben, wenn man sich nicht liebt?

Heute, und nach einigen Jahren der Selbstreflektion, des mich-selbst-kennen- und lieben-lernens bin ich weiter, und weiss dass es nichts bringt, Dinge für andere zu tun, dass ich nicht für meine Umgebung lebe und wirke, sondern einzig und allein mir selbst und meinem Körper Rechenschaft und Liebe schuldig bin.

Klar möchte auch ich vernünftig aussehen wenn ich vor die Tür gehe. Und NATÜRLICH mag ich es wenn ich an mir runterschaue und eine vernünftige Form habe, mich straff und fit anfühle. Noch mehr mag ich es aber (und das sieht von aussen eben KEINER) wenn ich mich fit FÜHLE, stark, ausdauernd und voller Energie. Wenn ich weiss dass ich meinem Körper vertrauen kann, dass er tolle sportliche Leistungen bringt, dass mich mich locker auf mein Rad setzen und 120 Kilometer fahren kann und das direkt am nächsten Tag wieder leisten kann. Wenn meine Körpermitte stark ist. Und wenn mich das alles ausgeglichen macht weil ich weiss dass ein fitter Körper zumindest meistens auch ein gesunder Körper ist. Und ganz am Ende geht es doch eigentlich nur um das.

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2 Comments

  • Reply Flo 7. Oktober 2019 at 21:03

    Hey, ich lasse dir hier an dieser Stelle mal einen Daumen nach oben da… 😉

    • Reply Susanne 8. Oktober 2019 at 12:28

      Hey 🙂 vielen dank :))

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